21.01.12 - Gentechnikdemo in Berlin

SCHWABACH/LANDKREIS ROTH  - Ein ganzer Bus voll Verbraucher und Verbraucherinnen sowie Landwirten aus Schwabach und dem Landkreis Roth hatte sich am Samstag auf den Weg nach Berlin gemacht, um im Rahmen der Grünen Woche für eine andere Agrarpolitik zu demonstrieren.Protest auch aus Schwabach und dem Landkreis Roth: Eine Gruppe hatte sich aufgemacht, um in Berlin für ein Umdenken in der Landwirtschaft und für gentechnikfreie Lebensmittel zu demonstrieren.

Heimische Umweltengagierte vom Bund Naturschutz, der Zivilcourage Roth/Schwabach und der Grünen sowie Landwirte zeigten damit in der Bundeshauptstadt, wie wichtig ihnen die Diskussion um eine Agrarwende nicht nur vor Ort, sondern auch an den Schalthebeln der Macht, also vor dem Kanzleramt in Berlin, ist.Tausende aus der ganzen Bundesrepublik zogen unter dem Motto „Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ zum Kanzleramt und verlangten von Bundeskanzlerin Merkel eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik.

Die Demonstranten warfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der EU-Agrarpolitik bislang Steigbügelhalter für die Agrarindustrie zu sein. Deutlich machten sie auch ihre Abneigung gegen die Agro-Gentechnik, die von den meisten Menschen im Land abgelehnt werde, jedoch trotzdem ständig durch die Hintertür mit Forschungsgeldern und neuen EU-Regelungen wieder untergejubelt werden solle.Im Anschluss an die Demo trafen sich dann zahlreiche Milchbauern aus ganz Deutschland, darunter auch ein Dutzend aus dem Landkreis Roth, zum Symposium des BDM auf der Grünen Woche zum Thema „Müssen wir die billige Milch von heute morgen teuer bezahlen?“

Prof. Dr. Christoph Lütge, Inhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik an der TU München, betonte in seinem Referat zur Bedeutung der Wirtschaftsethik in der Marktwirtschaft, dass es nicht darum gehe, Wettbewerb auszuschließen, sondern vielmehr darum, faire Regeln für den Wettbewerb zu schaffen.Moral werde in die „Spielregeln“ eingebaut, der Wettbewerb finde hingegen in den Spielzügen statt, so Prof. Dr. Lütge. Ein liberalisierter Markt ohne jegliche Spielregeln führe oftmals zur Ausbeutung oder Schwächung eines Marktteilnehmers und gefährde somit die Nachhaltigkeit des gesamten Sektors.

Mit Interesse folgten die Milcherzeuger aus dem Landkreis Roth auch dem Referat von Wyno Zwanenburg, Vorsitzender des Verbandes der Niederländischen Sauenhalter (NVV), der über die Probleme der Schweinehalter in den Niederlanden und ganz Europa berichtete. Schweinehalter hätten seit Jahren mit zu niedrigen Preisen zu kämpfen. Wie die Milcherzeuger seien auch sie das schwächste Glied in der Vermarktungskette.

Quelle: Schwabacher Tagblatt