Vermächtnis Erika Wieser

Barbara und Erika Wieser

Wie einige "Städter" hat Erika Wieser die Grundstücksparzelle erworben, um in Ruhe zu gärtnern und Natur zu erleben. In einem gegen hungrige Mitesser abgezäunten Bereich wuchsen Dahlien, Tomaten und viel Gemüse. Dank einer Handpumpe konnte der Garten bewässert werden und ein Gartenhäuschen beherbergte Gartengeräte und bot Schutz bei Regenschauern."Früher war das ein richtiges Schmuckstück – neben einer gepflegten Streuobstwiese" berichtet ein ehemaliger Nachbar*.

Mittlerweile hat die Natur die Grundstücke verwildern lassen. Mit etwas Fantasie und viel Arbeit könnte das 1695 qm große Grundstück wieder ein Schmückstück für Kinder- und Jugend-gruppen werden. Vielen Dank an Erika Wieser für Ihr Vermächtnis und an Barbara Wieser für die reibungslose Abwicklung nebst freund-.schaftlichem Kontakt zwischen Schwa-bach und Hameln.

Lebenslauf Erika Meta Wieser:Am 20.12.1920 wurde Erika Wieser als erste von drei Geschwistern geboren. Ihr Vater war Doktor der Staatswissenschaften, ihr Großvater Oberlehrer an der Lehrerbildungsanstalt Schwabach, die Vorfahren stammten aus der Umgebung von Schwabach. Dies gab ihr einen traditionsbewussten und heimatverbundenen, aber dennoch weltoffenen Hintergrund.

Von Anfang an war klar, dass auch sie Lehrerin werden wollte, aber in den damaligen deutschen Kolonien in Südafrika. Dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung, dafür kam sie nach ihrer Ausbildung an eine winzige Dorfschule ins Warthegau, nahe dem heutigen Poznan. Rechtzeitig vor dem Eintreffen der russischen Armee im Januar 1945 kehrte sie nach Schwabach zurück; ihre jüngere Schwester Irmgard, Lehrerin wie sie und ebenfalls nicht weit entfernt im Warthegau eingesetzt, zögerte zu lange, geriet in russische Gefangenschaft und ist dort vermisst.

Nach dem Krieg versuchte Erika erneut, nach Südafrika (bzw. Namibia) zu gehen, musste aber eine herbe Enttäuschung erleben. Von nun an blieb sie in ihrer Heimat Schwabach und widmete sich mit voller Kraft ihrem Beruf als Oberlehrerin an der Volksschule Schwabach (vermutlich die heutige Christian-Maar-Schule, konnte ich aber trotz Recherchen nicht bestätigen lassen).

Liebevoll, aber konsequent und mit eiserner Disziplin vermittelte sie ihren Schülern die von ihr selbst vorgelebten traditionellen Werte wie Respekt vor Mensch und Natur, Toleranz, Höflichkeit, Bescheidenheit, Kritikfähigkeit. Sport war ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens; sie war lange Zeit Sportbeauftragte ihrer Schule, leitete die Voltigiergruppe des Reitvereins. In den Ferien fuhr sie regelmäßig im Winter zum Skifahren, im Sommer zum Wandern nach Griechenland, Kreta, Italien.

Nach ihrer Pensionierung 1983 blieb sie so aktiv wie eh und je: sie engagierte sich in der Betreuung von Kindern mit Migrationshintergrund, in der Heimatpflege, im Bibliotheksdienst des Krankenhauses.

Sie pflegte ihre Interessen für andere Kulturen und Sprachen (so lernte sie Russisch, Griechisch, Arabisch, war bis kurz vor ihrem Tod in der Englisch-Gruppe der VHS), war aktiv beteiligt an den Seniorenreisen der VHS. Neben der Liebe zu Kindern hatte die Liebe zur Natur einen hohen Stellenwert in ihrem Leben. Wandern und die Arbeit im Garten gaben ihr Kraft und Freude. Als der Weg zu ihrem  Gartengrundstück in Wolkersdorf zu weit wurde, gestaltete sie ihren Balkon zum "Biotop".

Erika Wieser hat es stets bescheiden vermieden, im Mittelpunkt zu stehen; das war wohl der Grund, warum sie dieses Grundstück nicht noch zu ihren Lebzeiten dem Bund Naturschutz Schwabach übergeben hat.


Angelika Majchrzak-Rummel

von links: Almut Churavy, Barbara Wieser, Angelika Majchrzak-Rummel, Karin Holluba-Rau