Wässerwiesen-traditionelle Landnutzung und wertvoller Lebensraum

Käferleinswehr
Penzendorfer Wehr

Fast jeder von uns hat schon die vielen Gräben mit den kleinen Stauwehren („Schütze“) im Schwabach- und Rednitztal gesehen mit denen mehrmals von Mai bis September das eingeleitete Wasser aufgestaut werden kann um die Talwiesen zu bewässern. Nur den wenigsten ist dabei bewusst, dass es sich dabei um ein ausgeklügeltes, Jahrhunderte altes System handelt, mit dem nach einem genau geregelten System Wasser der beiden Flüsse Schwabach und Rednitz auf die einzelnen Wiesen der Landwirte geleitet wird. Hintergrund dieser Wiesenbewässerung ist die Tatsache, dass der Untergrund der Wiesen in den Tälern der Schwabach und der Rednitz in weiten Bereichen wegen des sandigen Untergrunds und des teilweise großen Grundwasserflurabstands recht trocken und nährstoffarm sind. Neben dem in der Vegetationsperiode nötigen Wasser wurden vor allem in früheren Jahrhunderten auch Nährstoffe aus den Flüssen in die Wiesen geleitet.


Um sowohl den Unterhalt, als auch die genau geregelte Verteilung des Wassers zu organisieren, haben sich die Bauern in Wässergenossenschaften zusammengefunden. Auf Schwabacher Stadtgebiet gibt es mehrere Genossenschaften und Wasser-verbände. Fast jeder kennt z.B. das „Käferleinswehr“ an der Schwabach östlich der Altstadt, mit dessen Wasser die Wiesen im östlichen Schwabachtal gewässert werden können. Am Pflugswehr am Fuß des  Limbacher Wasserbergs, kurz vor der Mündung der Schwabach in die Rednitz, wird Wasser für die Wiesen in Limbach und Katzwang abgezweigt. In Penzendorf dient ein großes Wehr in der Rednitz zur Wasserversorgung der dortigen Wiesen zwischen Schaftnach und Penzendorf. Mit diesem Bewässerungssystem nimmt das Rednitzgebiet mit seinen Nebenflüssen wie der Schwabach deutschlandweit, wenn nicht in großen Teilen Mitteleuropas eine Sonderstellung ein, da diese alte Tradition der naturnahen Steigerung der Fruchtbarkeit sonst kaum mehr angewandt wird. Neben dem Aufstau des Wassers aus den Flüssen dienten bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch zahlreiche Schöpfräder an der Rednitz zum Transport des Wassers. Nicht zuletzt durch die starke Eintiefung der Rednitz durch die Wasserüberleitung aus dem Donau- und Altmüh-lraum wäre der Einsatz von Schöpfrädern heute kaum mehr möglich.


Die Bewässerungsgräben sind als Lebensraum u.a. für die gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) von wesentlicher Bedeutung. Für die Larven dieser vor allem im Bereich Katzwang/Wolkersdorf im Rednitztal vorkommenden Libellenart sind die Wässergräben ein wichtiger Lebensraum.  Dabei ist es wichtig, dass zumindest ein Teil der Gräben während der Larvenentwicklung dauerhaft Wasser führt. Auch der Weißstorch (Ciconia ciconia) als besonders auffällige Vogelart profitiert bei der Nahrungssuche von den mehrmals in der Sommerzeit bewässerten Wiesen.


Als Grundstückseigentümer in Limbach ist der Bund Naturschutz ebenfalls Mitglied der dortigen Wässergenossenschaft. Das Grundstück wurde einst als Sperrgrundstück gegen den Bau der A77/B2a gekauft. Bei einem Hochwasser im Jahr 2009 wurde das Pflugswehr der dortigen Genossenschaft so stark beschädigt, dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen konnte. Nachdem die Bürgerinitiative „Weiter gegen die B2a“, der Verein zum Schutz des Rednitztals, die Stadt Schwabach und das Storchenprojekt der Stadt Nürnberg  ihre finanzielle Unterstützung zugesagt hatten konnte mit den Planungen für den Wiederaufbau des Wehres auch mit Unterstützung durch Martin Sauer vom Schwabacher BN begonnen werden. Dieses Jahr begannen die Bauern schließlich mit dem Neubau des Wehres. Sowohl wegen seiner kulturhistorischen, als auch wegen der ökologischen Bedeutung der Wiesenwässerung im Schwabachtal und im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) des Rednitztals hat sich auch der BN für die Instandsetzung des Wehres eingesetzt. Zu hoffen ist, dass es noch gelingt eine Fischaufstiegshilfe in den Neubau zu integrieren.


Bericht und Fotos: Martin Sauer